Der seit Februar 2026 eskalierende Konflikt im Iran und im Nahen Osten hat erhebliche Folgen für die globale Logistik und den internationalen Warenverkehr. Blockierte See- und Luftwege, steigende Energiepreise sowie Einschränkungen im Versicherungsschutz setzen Unternehmen weltweit unter Druck.
Die SCHUNCK GROUP gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen (zuletzt aktualisiert am Freitag, 13.03.2026). Im Fokus: Die Auswirkungen auf den Versicherungsschutz für die Transport- und Logistikbranche vor dem Hintergrund der Störungen wichtiger See- und Luftfahrtrouten und steigender Energiepreise.
1. Globale Auswirkungen auf internationale Lieferketten
Der militärische Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel führt seit dem 28. Februar 2026 zu massiven Störungen im Welthandel durch blockierte und gefährdete Verkehrswege im Nahen Osten. Wichtige See- und Luftfrachtrouten wurden unpassierbar oder unsicher, was zu geschlossenen Lufträumen, gefährdeten Seewegen und steigenden Energiepreisen führte.
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Rudolf Christian Eder
Seehandelsrouten: Hormus-Blockade, Rotes Meer und Suezkanal
Die Straße von Hormus wurde faktisch durch iranische Warnungen und einen Raketenangriff auf einen Öltanker blockiert, was zu einem sofortigen Stopp der Durchfahrten durch große Reedereien wie Maersk, Hapag-Lloyd und CMA CGM führte. Bis zu 100 Containerschiffe und 450 Tanker könnten im Persischen Golf bei anhaltender Sperrung festsitzen, was weltweit zu Verzögerungen, Staus und höheren Frachtraten führt.
Im Roten Meer und am Suezkanal besteht weiterhin erhebliche Gefahr durch Angriffe der Huthi-Milizen, was zu einem durchgehenden Risikokorridor vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer führt. Reedereien meiden vorsorglich den Suezkanal und die Bab-el-Mandab-Passage, was weitere Umwege und Verzögerungen verursacht. Viele Schiffe weichen nun über das Kap der Guten Hoffnung aus, was die Transitzeit zwischen Asien und Europa um 15 bis 20 Tage verlängert.
Die strategische Bedeutung dieser Route für den Containerverkehr zwischen Europa und Asien ist enorm, und die Situation löst große Besorgnis bei europäischen Reederverbänden aus.
| Route / Region | Status der Route | Konsequenzen für die Lieferkette |
|---|---|---|
| Straße von Hormus | Kriegsgebiet, faktisch gesperrt; Reedereien stoppen Passagen | Bis zu 100+ Containerschiffe und 450 Tanker gestrandet, höhere Kosten und Fahrplaninstabilität |
| Rotes Meer & Suezkanal | Andauernde Huthi-Gefahr, Suez vorsorglich gemieden | Längere Routen (Umwege um Afrika), durchgehendes Risikoband, globale Staus, ungleiche Schiffsankünfte, zusätzliche 1–2 Wochen Lieferzeit |
| Lufträume & Hubs am Golf | Luftraum gesperrt, Drehkreuze setzen Betrieb aus | Flugumwege, erhöhte Flugzeiten und Treibstoffverbrauch, ca. 25 % Flugstreichungen, Kapazitätsengpässe und steigende Luftfrachtraten |
Störungen in der Luftfracht und zeitkritischen Versorgung
Geschlossene Lufträume über dem Iran, Irak und dem Persischen Golf sowie Betriebsaussetzungen an wichtigen Hubs wie Dubai, Abu Dhabi und Doha reduzieren die Luftfrachtkapazitäten spürbar. Bis zu ein Viertel aller Flüge wurden gestrichen – auf wichtigen Routen zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten gehen die Kapazitäten laut Medienberichten um bis zu 60 % zurück. Für zeitkritische Branchen wie Elektronik, Pharma und Ersatzteile hat dies unmittelbare Auswirkungen.
Eine Analyse zeigt Einbrüche der Luftfrachtkapazität von 55-64 % auf den Routen Europa–Nahost und Asien–Nahost. Erste Teilwiedereröffnungen der Flughäfen fanden ab dem 3. März statt, doch die meisten Flüge blieben gestrichen.
Energie- und Rohstoffengpässe als Folgewirkung
Die Blockade der Straße von Hormus, durch die 20 % der weltweiten Ölversorgung transportiert werden, führte zu einem Anstieg des Brent-Ölpreises auf etwa 80 US-Dollar pro Barrel und einem raschen Anstieg der europäischen Diesel- und Gaspreise. Die OPEC+ kündigte eine Fördermengenerhöhung an, doch die Entlastung bleibt aktuell (Stand 3. März) begrenzt. Die Energiepreisschocks wirken sich besonders in Europa aus, wo steigende Kosten für Diesel, Heizöl und Erdgas die Logistik verteuern können. Auch andere Rohstoffe wie Chemikalien und Düngemittel sind betroffen, was die industrielle Produktion und Lebensmittelversorgung gefährden kann. Die Kombination aus höheren Energiepreisen und Lieferverzögerungen erhöht den Produktions- und Preisdruck in vielen Wirtschaftszweigen.
Steigende Transportkosten und logistische Kettenreaktionen
Die Umleitungen um Afrika führen zu erheblichen Mehrkosten durch längere Fahrzeiten und höhere Treibstoffverbräuche. Reedereien wie Hapag-Lloyd und CMA CGM haben Kriegsrisikozuschläge eingeführt, die Transportkosten steigen deutlich an. Die längeren Rundläufe binden etwa 2,5 Millionen TEU an Containerkapazität, was die Frachtraten auf Ost-West-Routen hochhält. Die gesamte Netzwerkrotation wird gestört, was zu Staus in Häfen und ungleichmäßigen Containerströmen in Europa führen kann. Auch die Binnentransporte in Europa können betroffen sein, da verspätete und gebündelte Ankünfte die Planungen erschweren können.
2. Auswirkungen auf die europäische Binnenlogistik
Europa spürt die Folgen durch verlängerte Transportzeiten, steigende Treibstoff- und Transportkosten sowie schwankende Umschlagsvolumina. Just-in-Time-Lieferketten geraten ins Wanken. Die Treibstoffpreise erreichten den höchsten Stand seit 2024, was erhebliche Mehrkosten im Straßengüterverkehr und anderen Verkehrsträgern verursacht. Logistikunternehmen reagieren mit Krisenstäben, alternativen Routen und enger Kundenkommunikation. Sie setzen auf höhere Sicherheitsbestände, Diversifizierung von Lieferanten und Routen sowie Zusatzkapazitäten, um Engpässe abzufedern. Dennoch drohen bei längerer Konfliktdauer kritische Versorgungsengpässe und konjunkturelle Risiken durch Inflation und gedämpftes Wachstum.
3. Auswirkungen auf Transportversicherungen und Versicherungsschutz
Krieg und Versicherungsschutz in der Warentransportversicherung
Krieg und kriegsähnliche Ereignisse sind in Transportversicherungen grundsätzlich ausgeschlossen. Für See- und Lufttransporte können politische Risiken durch spezielle Klauseln wie die „DTV-Güter 2008 Kriegsklausel“ eingeschlossen werden, jedoch nicht für Kriegshandlungen an Land. Verzögerungen und Folgekosten durch Krieg sind nicht versichert.
In früheren Krisensituationen, etwa während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine oder der gezielten Angriffe der Huthi‑Miliz auf die Schifffahrt im Roten Meer, haben Versicherer häufig ihr Sonderkündigungsrecht für Kriegsrisiken ausgeübt, das eine sehr kurze Kündigungsfrist von zwei Tagen bzw. 48 Stunden vorsieht. Ein solches Vorgehen wäre grundsätzlich auch im aktuellen Konflikt jederzeit möglich. In der Warentransportversicherung ist die versicherungstechnische Lage aktuell (13. März 2026) unruhig. Einige Versicherer haben begonnen Kündigungen auszusprechen, andere warten die weitere Entwicklung ab.
In anderen Versicherungssparten hingegen, beispielsweise der Schiffskaskoversicherung oder in der Charterer’s Liability Versicherung, einer speziellen Deckung für Charterer zur Absicherung von Haftungsrisiken aus dem Chartervertrag, sind bereits in den letzten 24 Stunden entsprechende Sonderkündigungen von Kriegsrisiken für die Golfregion ausgesprochen worden (Stand 3. März). Gleichzeitig steigen die Prämien für Kriegsdeckung stark an, teilweise um 25-50 Prozent, und einige Schiffe mit US- oder Israel-Bezug erhalten keinen Versicherungsschutz mehr.
Verkehrshaftung und Haftungsfragen in der Logistikbranche
Verkehrshaftungs- und Frachtführerhaftpflichtversicherungen schließen generell Kriegsschäden aus. Logistikunternehmen können sich bei unvorhersehbarem Krieg auf höhere Gewalt berufen und sind dann von Haftungsansprüchen für Verspätungen oder Schäden befreit. Bei längerer Konfliktdauer und daher bekannten Risiken in der Golfregion werden sich Logistiker nicht mehr ohne Weiteres auf die Unvorhersehbarkeit des Risikos berufen können und müssen daher mit Ansprüchen rechnen, ohne hierfür einen Versicherungsschutz im Haftungsfall zu besitzen.
Deshalb sollten vertragliche Vorkehrungen wie schriftliche Risikoaufklärung und Enthaftungsvereinbarungen mit Kunden getroffen werden. Die Kriegssituation kann zudem zu höheren Prämien, Kündigungen von Policen und eingeschränktem Angebot führen.
Fazit
Der Iran-Krieg 2026 führt bereits jetzt zu massiven Störungen globaler Lieferketten, verlängerten Transportzeiten, steigenden Energie- und Transportkosten sowie eingeschränktem Versicherungsschutz. Die Blockade wichtiger See- und Luftwege und die Gefährdung von Energieinfrastruktur wirken sich weltweit aus, insbesondere in Europa.
Logistikdienstleister reagieren mit Krisenmanagement, alternativen Routen und intensiver Kundenkommunikation. Es ist damit zu rechnen, dass weitere Versicherer Kriegsschäden zunehmend ausschließen werden. Frühere Konflikte haben ähnliche Muster gezeigt. Der aktuelle Konflikt unterstreicht die Notwendigkeit risikobewusster Planung, resilienter Lieferketten, diversifizierter Routen und angepasster Verträge, um wirtschaftliche Auswirkungen zu begrenzen.
SCHUNCK GROUP – Ihr Partner für Risikomanagement und Versicherungsschutz
Die SCHUNCK GROUP beobachtet die Entwicklungen kontinuierlich und steht ihren Kunden bei Fragen zu Risikobewertung, Versicherungsschutz und logistischer Sicherheitsplanung jederzeit unterstützend zur Verfügung.
Für Rückfragen zu Ihrem Versicherungsschutz wenden Sie sich bitte an Ihren SCHUNCK Kundenbetreuer.